Ausbildung zum/zur Kirchenführer:in – ein Bericht aus der Werkstatt

Tasse Darmstadt ZBG

Wie bil­det man heu­te Men­schen aus, die Kir­chen­räu­me nicht nur erklä­ren, son­dern erschlie­ßen kön­nen? Die­se Fra­ge steht am Anfang eines inten­si­ven Kon­zep­ti­ons­pro­zes­ses zur Neu­auf­stel­lung der Kir­chen­füh­rer-Aus­bil­dung in der EKHN. Der fol­gen­de Bei­trag gibt einen ers­ten Ein­blick in Über­le­gun­gen, Leit­li­ni­en und die Rich­tung, in die wir gera­de den­ken.


Neuaufstellung der Langzeitfortbildung »Kirchenpädagogik« – Kirchenführer:innen braucht es mehr denn je!

Ges­tern saßen wir zusam­men im Zen­trum Bil­dung und Gesell­schaft der EKHN – ein gan­zer Tag, kon­zen­triert, offen, suchend. Gemein­sam mit Mar­tin Benn, lang­jäh­ri­ger Kunst­be­auf­trag­ter der EKHN und jemand, der das Feld der Kir­chen­päd­ago­gik als Fach­ex­per­te und Bera­ter vie­ler Gemein­den sehr gut auch von innen kennt, habe ich begon­nen, an einer grund­le­gen­den Neu­auf­stel­lung der Lang­zeit­fort­bil­dung Kir­chen­päd­ago­gik zu arbei­ten.

Der letz­te Kurs war lei­der ent­fal­len – für vie­le war er zu teu­er gewe­sen. Auch das bis­he­ri­ge Kon­zept hat­te sich noch nicht ganz ein­ge­spielt – der Kurs hat­te erst ein­mal statt­ge­fun­den. Die Ent­schei­dung dar­über, ob man die­se kir­chen­päd­ago­gi­sche Lang­zeit­aus­bil­dung noch­mals neu auf­stel­len will oder ob man sich davon ver­ab­schie­det, hat man mir über­las­sen. Nach eini­ger Über­le­gung ist die Ent­schei­dung gewach­sen: Wir pro­bie­ren es noch­mals – und star­ten das Gan­ze in einer neu­en Struk­tur.

Nach ers­ten Vor­ge­sprä­chen ging es nun eben in die Pla­nung – und ich bin sehr froh, dass ich hier direkt kom­pe­ten­te Ver­stär­kung an mei­ner Sei­te weiß. Bis­lang gestal­tet sich die Zusam­men­ar­beit vor­züg­lich: Wir den­ken laut. Wir asso­zi­ie­ren frei. Wir stel­len Leit­plan­ken auf, wo nötig – und schau­en auch auf das, wor­an wir bis­lang nicht gedacht haben. Dafür nut­ze ich gern die Metho­de »Absence Thin­king«, ein in sei­ner Schlicht­heit ganz wun­der­ba­res Tool, wie ich fin­de.

Wir waren uns rasch einig: Kirchenführer:innen braucht es mehr denn je. Spi­ri­tu­el­le Räu­me ver­ste­hen sich immer weni­ger von selbst. Es gibt vie­le Abbrü­che. Und zuletzt waren spi­ri­tu­el­le Räu­me vor allem vor dem Hin­ter­grund von Struk­tur- und Finanz­fra­gen als poten­ti­el­le Belas­tung in den Fokus gerückt. Dabei sind sie beson­de­re Orte, die beson­de­re Erfah­run­gen zugäng­lich machen und offen hal­ten – und gera­de des­halb prä­de­sti­niert für reli­giö­se Bil­dungs­pro­zes­se.

Volle Köpfe – tiefe Erfahrungen – viele Begegnungen

Ich gehe nach sol­chen Tagen oft mit einem Kopf vol­ler »inne­rer« Noti­zen und mit einem Hau­fen phy­si­scher, d.h. gesta­pel­ter Kärt­chen nach Hau­se – aber dies­mal vor allem auch mit einem bestimm­ten Gefühl: Es lohnt sich. Da ist etwas in Bewe­gung. Das könn­te gut wer­den!

Die Aus­gangs­fra­ge ist eigent­lich ein­fach – und zugleich anspruchs­voll: Wie qua­li­fi­zie­ren wir Men­schen so, dass sie Kir­chen­räu­me nicht nur erklä­ren, son­dern mit einer Grup­pe in ihrem je eige­nen Stil lei­den­schaft­lich erschlie­ßen und für sie begeis­tern kön­nen? Fach­lich fun­diert, päd­ago­gisch über­zeu­gend – und vor allem mit einer eige­nen Hal­tung.

Im Work­shop wur­de uns schnell klar: Es geht uns nicht zuerst um noch mehr (oder weni­ger) Stoff, noch mehr (oder weni­ger) Inhal­te, noch mehr (oder weni­ger) Theo­rie. Son­dern um etwas ande­res.

Um Erfah­rung.
Um Wahr­neh­mung.
Um einen Ort der Begeg­nung.
Um Aha-Erleb­nis­se und Neu­gier­de.
Um eine Form von Begeis­te­rung, die anste­ckend ist.

Kir­chen­räu­me erschlie­ßen sich nicht allein über Wis­sen. Sie öff­nen sich, wenn Men­schen einen Zugang fin­den – sinn­lich, bio­gra­fisch, spi­ri­tu­ell. Genau dafür wol­len wir Räu­me schaf­fen.

Zielhorizonte und Leitlinien

Was sich im Lau­fe des Tages her­aus­kris­tal­li­siert hat, sind ers­te Leit­li­ni­en:

  • Wir wol­len die klas­si­schen Fel­der der Aus­bil­dung zusam­men­den­ken – Geschich­te und Archi­tek­tur, Theo­lo­gie und Glau­be, Didak­tik und Metho­dik. Das alles gehört zu einer kir­chen­en­päd­ago­gi­schen Aus­bil­dung, die befä­higt eigen­stän­dig durch Kir­chen­ge­bäu­de zu füh­ren und ihre Räu­me erleb­bar zu machen. Aber nicht als neben­ein­an­der­ste­hen­de Blö­cke, son­dern als etwas, das sich in der kon­kre­ten Pra­xis ver­schränkt.
  • Wir wol­len Pra­xis för­dern und stär­ken. Die Aus­ein­an­der­set­zung mit den »eige­nen Kir­chen« der Teil­neh­men­den, mit eige­nen Füh­run­gen und vor allem mit kir­chen­päd­ago­gi­schen Expe­ri­men­ten in ech­ten Situa­tio­nen und Räu­men – nicht nur im Semi­nar­raum, son­dern vor Ort in Kir­chen, im Tun, im Aus­pro­bie­ren. »Hin und Her«, so haben wir das vor­läu­fig for­mu­liert.
  • Und wir wol­len den Teil­neh­men­den Raum geben, ihren eige­nen Zugang zu ent­wi­ckeln: einen eige­nen Stil, einen eige­nen Blick, eine eige­ne Posi­tio­nie­rung. Kir­chen­päd­ago­gik ist kei­ne Tech­nik, die man ein­fach über­nimmt. Sie hat immer mit der Per­son zu tun, die man ist und als die man durch kon­kre­te Räu­me führt.

Über allem steht das Ziel: Wir wol­len für Räu­me begeis­tern. Auch struk­tu­rell den­ken wir neu: kom­pak­te­re Modu­le (ver­mut­lich Don­ners­tag bis Sonn­tag), stär­ker gebün­del­te Lern­pha­sen, dazwi­schen Pra­xis und Erpro­bung. Und nicht zuletzt beschäf­tig­te uns auch die Fra­ge: Wie kön­nen wir die Fort­bil­dung so gestal­ten, dass sie zugäng­li­cher wird – auch finan­zi­ell?

All das ist noch im Wer­den. Wir sind mit­ten im Pro­zess. Das Cur­ri­cu­lum wird wei­ter aus­ge­ar­bei­tet, Inhal­te wer­den geschärft, For­ma­te kon­kre­ti­siert.

Und doch gibt es schon jetzt so etwas wie eine Rich­tung.

Dankbarkeit und Hoffnung

Ich bin ehr­lich gesagt ziem­lich froh und dank­bar, die­sen Pro­zess gemein­sam mit jeman­dem zu gestal­ten, der so viel Erfah­rung, Klar­heit und Gespür für das Feld mit­bringt. Das macht die Arbeit nicht nur fun­dier­ter – son­dern auch inspi­rie­rend.

Die Per­spek­ti­ve ist ein Start der neu kon­zi­pier­ten Lang­zeit­fort­bil­dung ab Herbst 2027 (viel­leicht auch frü­her). Der Work­shop war so erbau­lich, dass wir die Hoff­nung haben, das könn­te gut klap­pen.

Bis dahin: Werk­statt. Gesprä­che. Skiz­zen. Ver­wer­fen und Wei­ter­den­ken. »Nächs­te Pha­se: Spa­ghet­ti wer­fen und schau­en, was an unse­rem Ske­lett hän­gen bleibt«, habe ich heu­te am Tele­fon gesagt. Da ste­hen wir. Was auch wich­tig ist: Auf­merk­sam­keit schaf­fen, dass sich da etwas tut, dass wir dran sind. Am Ende steht hof­fent­lich etwas, das trägt und auch Spaß macht – nicht nur uns bei­den, son­dern vor allem denen, die sagen: »Oh, span­nend – da mache ich viel­leicht mit!«

Abb. 1 | Kir­chen­päd­ago­gi­sche Aus­bil­dung (Flip­chart)

Abb. 2 | Mar­tin Benn vor der Meta­plan­wand im Kon­fe­renz­raum 3

Abb. 3 | Ein­gang des ZBG in Darm­stadt

Abb. 4 | Tisch­cha­os mit vie­len Ideen

Abb. 5 | Ver­an­stal­tungs­ta­fel am ZBG

Abb. 6 | Tisch­cha­os 2

Abb. 7 | Pro­to­typ neu­es Kurs­for­mat

Abb. 8 | Ziel­ho­ri­zont, prio­ri­siert auf Meta­plan­wand

Abb. 9 | Kaf­fee­tas­se direkt am ZBG

Abb. 10 | Flip­chart und Tisch

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