Stolz (2014)

Bernhard Lauxmann: Stolz als positive Ressource des Glaubens?

Impli­zi­te Emp­feh­lun­gen im Kon­text christ­li­cher Pre­digt­kul­tur und ihre anthro­po­lo­gi­sche Kri­tik, in: W. Enge­mann (Hrsg.): Glau­bens­kul­tur und Lebens­kunst. Inter­dis­zi­pli­nä­re Her­aus­for­de­run­gen zeit­ge­nös­si­scher Theo­lo­gie (WJTh 10). Göt­tin­gen: Vien­na Uni­ver­si­ty Press / Van­den­hoeck & Ruprecht uni­press, 2014, 257–277.

Der Begriff Stolz hat einen dop­pel­ten Klang: Zum einen steht er für eine zu über­win­den­de, weil unan­ge­neh­me Schwä­che des Men­schen, zum ande­ren für eine emp­feh­lens­wer­te, posi­ti­ve Res­sour­ce mensch­li­chen Lebens und Glau­bens. Wo – wie in zahl­rei­chen Pre­dig­ten – Stolz als etwas zu Über­win­den­des dar­ge­stellt und ledig­lich unter mora­li­schen Gesichts­punk­ten ver­han­delt wird, scheint man meist in augus­ti­ni­scher Tra­di­ti­on davon aus­zu­ge­hen, dass schier jede freud- oder lust­vol­le Selbst­ein­schät­zung des Men­schen bereits eine Selbst-Über­schät­zung dar­stel­len muss. Wenn die Auf­ga­be der reli­giö­sen Pra­xis dar­in gese­hen wird, Men­schen in ihrem Mensch­sein zu stär­ken, und Kom­mu­ni­ka­ti­on des Evan­ge­li­ums auf eine auf­rech­te Hal­tung als Aus­druck mensch­li­cher Wür­de und auf ein Leben in Gemein­schaft zielt, ist es höchs­te Zeit, der­ar­ti­gen Vor­ur­tei­len und impli­zi­ten Emp­feh­lun­gen mit einer dif­fe­ren­zier­te­ren Sicht auf den Men­schen und sei­ne emo­tio­na­len Res­sour­cen, wie etwa dem Stolz, zu begeg­nen und ihn auch als posi­ti­ve Res­sour­ce eines Lebens aus Glau­ben zu begrei­fen.