Predigtwahrheit (2018)

Bernhard Lauxmann: Predigt als »Stimme der Wahrheit«.

Irri­ta­tio­nen in Zei­ten gro­ßer Regres­si­on, in: Stand­punkt. Zeit­schrift des Evan­ge­li­schen Bun­des in Öster­reich, Heft 231 (2018), 3–15.

Dass Christ:innen als Bürger:innen und Zeitgenoss:innen in allen gesell­schaft­li­chen Fel­dern agie­ren und auch außer­halb der Kir­chen mit der bibli­schen Auf­for­de­rung „Suchet der Stadt Bes­tes!“ (Jer 29,7) ernst­ma­chen, ohne sich im Besitz einer Wahr­heit zu wäh­nen, ist eine wich­ti­ge Res­sour­ce poli­ti­scher Fort­schrit­te. Es ist kein Makel, wenn sich Glau­ben­de, die es ver­lernt haben, die Stim­me der Wahr­heit zu spre­chen, in der Gesell­schaft ein­brin­gen, zumal in kei­ner Sphä­re des moder­nen Lebens Regeln vor­ab fest­ste­hen und für alle Zeit gel­ten. Die ‚Stim­me der Kir­che‘ wird in poli­ti­schen Belan­gen gehört, wo sich die Kir­chen als Forum enga­gier­ter Bür­ge­rin­nen und Bür­ger prä­sen­tie­ren. Anstatt mit Pre­dig­ten als ver­län­ger­tem Arm kir­chen­po­li­ti­scher Bestre­bun­gen zu ver­su­chen, Mit­glie­der­zah­len zu erhö­hen, die Kir­chen­bin­dung zu stär­ken, bischöf­li­che Posi­tio­nen zur Poli­tik zu uni­ver­sa­li­sie­ren oder dog­ma­ti­sche Posi­tio­nen der Ver­gan­gen­heit zu ver­ste­ti­gen, soll­te die Kir­chen­po­li­tik ver­län­ger­ter Arm einer Pre­digt­pra­xis sein, die inso­fern poli­tisch wird, als sie Glau­ben­de als mün­di­ge Bür­ger und Bür­ge­rin­nen bil­det, die mit der Kate­go­rie des Mensch­seins und der Lebens­dien­lich­keit etwas anzu­fan­gen wis­sen, und die­se Men­schen als Sub­jek­te auf­rich­tet und in ihren Posi­tio­nen stärkt. Der­art gebil­de­te Men­schen sind die bes­te Res­sour­ce für eine Gesell­schaft, in der die Wür­de und Frei­heit von Men­schen gewahrt ist. Mit sol­chen Men­schen lässt sich Zukunft gestal­ten – auch Poli­tik.

Direkt zum Arti­kel (OA)