Produktives Pendeln? Zeit für einen Rückblick!

Daumen hoch

Seit einem guten hal­ben Jahr arbei­te ich nun an der Evan­ge­li­schen Zen­tral­stel­le für Welt­an­schau­ungs­fra­gen (EZW) in Ber­lin. Gera­de habe ich mei­nen Ord­ner mit den Rei­se­do­ku­men­ta­tio­nen wie­der mit eini­gen neu­en Unter­la­gen gefüllt: Mitt­ler­wei­le sind dar­in 23 Rei­sen doku­men­tiert. Die meis­ten führ­ten mich von mei­nem Wohn­ort in Tulln nach Ber­lin, an mei­nen Arbeits­platz. Der Bahn­hof in Tulln ist übri­gens zugleich auch das Geburst­haus des Künst­lers Egon Schie­le (1890–1918). Ich star­te mei­ne Rei­sen also oft mit sei­nen Bil­dern im Kopf. Und auch der Ber­li­ner Bahn­hof hat eini­ge Vor­zü­ge: Hier gibt es die Mög­lich­keit nach einer lan­gen Nacht­zug­fahrt zu duschen! Ein Ser­vice, den ich gern und oft genutzt habe: Für 10 Euro kommt man frisch ins Büro. Gar nicht schlecht, was das WC-Cen­ter am Ber­li­ner Hbf so bie­tet.
Eini­ge Male ging es anfangs natür­lich auch noch nach Hal­le an der Saa­le, wo ich als Ver­tre­tungs­pro­fes­sor leh­ren, vor­tra­gen und Stu­die­ren­de auf ihrem theo­lo­gi­schen Weg beglei­ten durf­te. Das war eine Zeit lang fast Rou­ti­ne. Dass es in Hal­le die bes­te Bahn­hofs­lounge gibt, dürf­te bekannt sein: 24 Stun­den Ser­vice, Bücher, Gesell­schaft und anre­gen­de Gesprä­che. Das ist ziem­lich fein. Eine eigen­wil­li­ge und inspi­rie­ren­de Begeg­nung, die ich dort erlebt habe, hat sogar einen Arti­kel von mir inspi­riert: näm­lich den zur Kryon­schu­le. Gern hier, in der ZRW, nach­le­sen!

Reiserückblick und Highlights

Es gab aber auch eini­ge Rei­sen außer­halb des regu­lä­ren Pen­delns, die teil­wei­se sehr beson­ders waren. Dazu zählt die Rei­se nach Wit­ten­berg zur Fach­grup­pen­ta­gung der Wis­sen­schaft­li­chen Gesell­schaft für Theo­lo­gie. Dort hielt ich einen Respon­se-Vor­trag zur Sin­gu­la­ri­sie­rungs­theo­rie von Andre­as Reck­witz vor Kolleg:innen der Prak­ti­schen und Sys­te­ma­ti­schen Theo­lo­gie. Die Gesprä­che an der Leu­co­rea waren inten­siv und berei­chernd – ich den­ke gern dar­an zurück.

Auch die Rei­se nach Hof­geis­mar zur EZW-Jah­res­ta­gung war etwas Beson­de­res: Hier dis­ku­tier­ten wir mit den lan­des­kirch­li­chen Beauf­trag­ten für Welt­an­schau­ungs­fra­gen und exter­nen Expert:innen das wich­ti­ge und span­nen­de The­ma „geist­li­cher Miss­brauch“.

Ein High­light war auch die Rei­se nach Frank­furt zu Vie­ra Pir­ker ins Bau­lei­ter­ge­bäu­de am Uni-Cam­pus, wo das RED­iCON-Pro­jekt­team erst­mals in Prä­senz zusam­men­kam und den Pro­jekt­start inhalt­lich und zeit­lich vor­be­rei­te­te. Das Dia­ko­nis­sen­haus in Frank­furt bleibt mir als eine wun­der­ba­re Unter­kunft in Erin­ne­rung.

Natür­lich geht es auch in abseh­ba­rer Zeit ähn­lich rei­se­inten­siv wei­ter: Bereits mor­gen bringt mich der Nacht­zug wie­der nach Deutsch­land – dies­mal zur Abtei­lungs­klau­sur in Wit­ten­berg. Bin sehr gespannt, was mich erwar­tet. Ich habe eini­ge Vide­os im Gepäck, die ins The­ma »säku­la­re Spi­ri­tua­li­tät« ein­füh­ren: Brea­thwork, Lau­ra M. Sei­ler, Tho­mas Met­zin­ger.

Aber erst ein­mal wei­ter Rück­schau hal­ten! Denn ein Rück­blick auf Orte und Ver­an­stal­tun­gen lohnt sich. War­um? Manch­mal hat man im Arbeits­all­tag den Ein­druck, dass Pro­jek­te nicht vor­an­kom­men und die Zeit nicht reicht, um alles zu erle­di­gen. Doch wenn ich mir bewusst Zeit für eine Rück­schau neh­me, mer­ke ich: Vie­les ist gesche­hen und vie­les ist gelun­gen.

Bahnhof Tulln
Bahn­hof Tulln

Berlin Bahnhof WC-Center
Ber­lin Haupt­bahn­hof WC-Cen­ter mit Dusch­ge­le­gen­heit

Frankfurt REDiCON
Frank­furt RED­iCON

Gestrandet in Prag
Habil­vor­trag in Wien

Gestrandet in Prag
Gestran­det in Prag

Prager Busbahnhof erreicht
Pra­ger Bus­bahn­hof erreicht

Selfie vor dem EKD Kirchenamt
Bern­hard Laux­mann in Han­no­ver vor dem EKD-Kir­chen­amt

Also, viel ist geglückt!

Wenn ich auf die letz­ten sechs Mona­te bei der EZW zurück­bli­cke, stau­ne ich doch fast ein wenig. Eine gan­ze Lis­te an Din­gen könn­te ich auf­zäh­len, die geschafft wur­den, erfolg­reich waren und geglückt sind. Ich habe bei­spiels­wei­se:

  • 5 Fach­ar­ti­kel geschrie­ben (3 davon publi­ziert)
  • 3 News­let­ter gestal­tet (der vier­te ist in Arbeit)
  • 5 eige­ne Kurz­be­rich­te auf der Web­site ver­öf­fent­licht (mehr als 20 ande­re)
  • 20 teils kom­ple­xe Bera­tungs­an­fra­gen beant­wor­tet
  • 1 Radio­in­ter­view gege­ben (RBB über „eso­te­ri­sche Influencer:innen“)
  • 1 Zeit­schrif­ten­in­ter­view gege­ben (Pro Medi­en­ma­ga­zin über „Witch­Tok“)
  • 1 Dritt­mit­tel­pro­jekt an der EZW ange­sie­delt und als Lei­ter ver­ant­wor­tet
  • 1 neu­en Mit­ar­bei­ter gewon­nen
  • 4 Daten­aus­wer­tungs­tools inten­siv genutzt (davon 1 neu)
  • unzäh­li­ge Sit­zun­gen besucht (vie­le auch gelei­tet)

Zusätz­lich habe ich par­al­lel dazu auch:

  • 1 Lehr­stuhl ver­tre­ten
  • 1 Lehr­ver­an­stal­tung gehal­ten
  • 1 exter­ne Wei­ter­bil­dung ange­bo­ten
  • 1 exter­ne Wei­ter­bil­dung mit­ge­stal­tet
  • 1 Habi­li­ta­ti­ons­ver­fah­ren abge­schlos­sen
  • 5 Vor­trä­ge gehal­ten
  • 1 Fest­schrift publi­ziert

Beson­ders freue ich mich über die exter­ne Wei­ter­bil­dung, die ich für Heil- und Son­der­päd­ago­gik­schü­ler in Ber­nau gehal­ten habe. Ich durf­te an den Dia­ko­ni­schen Schu­len Lobe­tal eine Ein­heit über die Welt der Sek­ten und Welt­an­schau­un­gen gestal­ten – das war span­nend und die Dis­kus­sio­nen waren inten­siv.

Neue Texte, neue Themen

Beson­ders zufrie­den bin ich auch mit den Tex­ten, die ich zur Zeit­schrift ZRW bei­tra­gen durf­te. Der Arti­kel zu „Synkretismus/Hybridisierung“, der hier online frei zugäng­lich ist und auch in der ZRW publi­ziert wur­de (Link), und der schon genann­te Text über die Kryon­schu­le haben mir gro­ßen Spaß gemacht. Der Text über Petro­nella Apfel­mus anläss­lich des 10-jäh­ri­gen Jubi­lä­ums der Apfel­he­xe, der bald erschei­nen wird, ent­stand mit viel Lei­den­schaft – teil­wei­se auch direkt neben dem EKD Kir­chen­amt, in einer öffent­li­chen Stadt­bi­blio­thek. Die Autorin Sabi­ne Stä­ding hat mir sogar schon eine E‑Mail dazu geschrie­ben und dabei ver­ra­ten, dass dies wohl der ers­te wis­sen­schaft­li­che Text zur Apfel­he­xe sei.

Auch die Fest­schrift für Wil­fried Enge­mann, ein gro­ßes Publi­ka­ti­ons­pro­jekt, hat dem Jubi­lar viel Freu­de berei­tet. Die Arbeit dar­an war inten­siv, die posi­ti­ve Reak­ti­on mei­nes ehe­ma­li­gen Chefs umso erfreu­li­cher. Schön dass, das Buch nun da ist und hier erwor­ben wer­den kann. Es ist wirk­lich schön gewor­den: mit den Exli­bris, dem fei­nen Geleit­wort der Rei­hen­her­aus­ge­ber und den wun­der­ba­ren Bei­trä­gen zur theo­lo­gi­schen Anthro­po­lo­gie. Mit mei­nem Bei­trag zum PT-Modell Wil­fried Enge­manns bin ich auch immer noch sehr zufrie­den.

Interviews – eine Herausforderung!

Das Inter­view mit dem RBB für die Sen­dung „Unser Leben“ (Radio3) war eben­falls eine wun­der­ba­re Erfah­rung. Das Gespräch mit Car­men Gräf über das Geschäft mit der Eso­te­rik sowie über Sinn­fluen­cer und ihre Anhän­ger­schaft war anre­gend, das Ergeb­nis erfreu­lich.

Etwas unsi­che­rer war ich da schon beim Inter­view mit dem Pro Medi­en­ma­ga­zin über die neu­en Hexen und Witch­tok. Das erscheint wohl dem­nächst. Im die­sem Inter­view habe ich über Hexe­rei auf Platt­for­men wie Insta­gram und Tik­Tok gespro­chen und dar­auf hin­ge­wie­sen, dass die­ser Trend von einer Mischung aus Öko-Spi­ri­tua­li­tät, Natur­ver­bun­den­heit und dem Bedürf­nis nach weib­li­cher Ermäch­ti­gung befeu­ert wird und es sich streng­ge­nom­men gar nicht um ein Phä­no­men des Okkul­tis­mus hand­le. Denn: Die neu­en Hexen bemü­hen sich ja gera­de­zu um Sicht­bar­keit und Öffent­lich­keit. Mit Nach­druck – und stark deskrip­tiv – habe ich auf die drei Lini­en der Hexen-Bewe­gung hin­ge­wie­sen: Es gibt in mei­nen Augen ja eine öko-spi­ri­tu­el­le Linie (»Kräu­ter­he­xe«), eine magisch-schöp­fe­ri­sche Linie (»Haga­zu­ssa«) und eine eman­zi­pa­to­risch-femi­nis­ti­sche Linie (»mäch­ti­ge Frau«, »Unbe­sieg­ba­re«). Was aus dem, was ich gesagt habe, am Ende wird – das wird man sehen. Das ist in mei­nen Augen das Schwie­rigs­te an Inter­views: Man weiß nicht wirk­lich, was zitiert wird und wie die Stoß­rich­tung des Tex­tes sein am Ende wird. Ange­sichts des Pro­fils des Pro Medi­en­ma­ga­zins und der ent­spre­chen­den Medi­en­in­itia­ti­ve im Hin­ter­grund, der Reich­wei­te der Zeit­schrift sowie auch des umstrit­te­nen Gesprächs­the­mas bin ich hier also bis heu­te noch gespannt auf das, was raus­kommt. Es gilt: Dau­men­drü­cken!

(Update: Der Text über Hexen mit mei­nen Inter­view-Aus­sa­gen ist mitt­ler­wei­le hier erschie­nen und frei zugäng­lich.)

Fazit

Kurz und gut: Vie­les ist gelun­gen, und das freut mich sehr. Das trös­tet auch über die Stra­pa­zen hin­weg, die das Rei­sen mit sich bringt. Erst vor weni­gen Tagen stran­de­te ich auf­grund eines gro­ßen Zug­un­glücks in Tsche­chi­en mit dem Nacht­zug in Prag. Gera­de noch ein­mal davon­ge­kom­men! Nun ja, es wird wohl kein Dau­er­zu­stand blei­ben – und die Rück­schau zeigt: Das meis­te hat geklappt und sich aus­ge­zahlt. Wir wach­sen mit den Auf­ga­ben, die uns gestellt wer­den.

REDiCON Projekttreffen Frankfurt
Selfie Bernhard Lauxmann Banhof Berlin
Hannover Stadtbibliothek mit Petronella Apfelmus
Jahrestagung Hofgeismar EZW

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