Ankunft in Berlin – 8 Wochen im Geschwindigkeitsrausch der EZW

EZW Berlin Tassen

Kaum zu glau­ben, aber es sind bereits fast zwei Mona­te ver­gan­gen, seit ich mei­nen Dienst bei der Evan­ge­li­schen Zen­tral­stel­le für Welt­an­schau­ungs­fra­gen (EZW) in Ber­lin ange­tre­ten habe. Die­se acht Wochen sind wie im Flug ver­gan­gen (kein Wun­der, eini­ges an Zeit habe ich ja tat­säch­lich im Flug­zeug ver­bracht…), und ich bin immer noch fas­zi­niert von den vie­len Ein­bli­cken. „Mein“ Refe­rat IV hat zuvor Kai Funk­schmidt gelei­tet – ein Exper­te mit einer beein­dru­cken­den Erfah­rung, der sein Wis­sen in zahl­rei­chen Bei­trä­gen geteilt hat. Kürz­lich erhielt ich eine Anfra­ge zur Neu­apos­to­li­schen Kir­che, und ich war beein­druckt von den kon­ti­nu­ier­li­chen Berich­ten mei­nes Vor­gän­gers zum The­ma. Er ist weg – ich bin da. Unglaub­lich!

Das Power-Trio: Martin, Rüdiger und Michael

Mei­ne direk­ten Kol­le­gen – Mar­tin Fritz, Rüdi­ger Braun und Micha­el Utsch – sind alle­samt Exper­ten auf ihren Gebie­ten. Mar­tin taucht tief in Evan­ge­li­ka­lis­mus, Säku­la­ris­mus und rech­te Strö­mun­gen der christ­li­chen Glau­bens­kul­tur ein. Rüdi­ger Braun wid­met sich den öst­li­chen Reli­gio­nen, ins­be­son­de­re dem Islam. Micha­el Utsch, zusätz­lich zu sei­ner Tätig­keit als The­ra­peut, beschäf­tigt sich mit Fra­gen im Schnitt­feld von Reli­gi­ons­psy­cho­lo­gie und Gesund­heit. In mei­ner ers­ten Woche konn­te ich haut­nah erle­ben, wie Mar­tin kri­tisch Ana­ly­sen durch­führt, sich in Metho­den ver­tieft und mit bemer­kens­wer­ter Scharf­sicht kri­ti­sche Anfra­gen an die wohl wich­tigs­te kirch­li­che Stu­die des deutsch­spra­chi­gen Raums for­mu­liert. Von Rüdi­ger las ich erst kürz­lich einen Text für die „Zeit­schrift für Reli­gi­on und Welt­an­schau­ung“ Kor­rek­tur und war beein­druckt von sei­nem Fach­wis­sen zu kom­ple­xen The­men wie Anti­se­mi­tis­mus, Radi­ka­li­sie­rung und Mus­lim­feind­lich­keit – ganz zu schwei­gen von sei­ner Fähig­keit, lan­ge Sät­ze gram­ma­ti­ka­lisch kor­rekt zu been­den. Micha­el Utsch schick­te mir fes­seln­de Publi­ka­tio­nen, gab mir gleich zu Beginn einen tie­fen Ein­blick in die Geschich­te der EZW (ehe­mals Apo­lo­ge­ti­sche Cen­tra­le) und moti­vier­te mich, einen Work­shop zum The­ma Lebens­glück gemein­sam mit ihm zu pla­nen. Es ist erstaun­lich, wie die­se Men­schen so vie­le Bäl­le in der Luft hal­ten kön­nen und dabei auch noch publi­zie­ren – Mar­tin hat gera­de erst ein Lehr­buch für Reli­gi­ons­psy­cho­lo­gie vor­ge­legt.

Beeindruckende Teamarbeit und der Abschied von Claudia Jetter

Die ande­ren EZW-Team­mit­glie­der sind eben­so enga­giert. Neben der täg­li­chen Arbeit bewäl­ti­gen sie einen Umzug, las­sen reno­vie­ren, orga­ni­sie­ren ein über­vol­les Archiv und betreu­en eine gan­ze For­schungs­bi­blio­thek zu Spe­zi­al­the­men. Es wer­den unzäh­li­ge Fach­zeit­schrif­ten gesich­tet, News­let­ter durch­ge­schaut und Anfra­gen bear­bei­tet. Die­ses Team ist wirk­lich beein­dru­ckend, und ich kann gut ver­ste­hen, war­um Clau­dia Jet­ter der Abschied schwer­fiel. Sie hat­te ein star­kes Team und lie­be Men­schen an ihrer Sei­te – sicher­lich neben ihrem rie­si­gen Enga­ge­ment für die Sache einer der Grün­de, war­um sie in so kur­zer Zeit so viel erreicht hat und so vie­le wich­ti­ge Kon­tak­te pfle­gen konn­te: Von Drui­den über Hexen, von Mor­mo­nen über Influen­ce­rin­nen, von Pop­kul­tur bis US-Geschich­te – sie hat­te all das im Blick und ich stau­ne.

Vom Unbekannten zum EZW-Referenten für Esoterik und Verschwörungserzählungen

Und jetzt bin auch ich ein Teil die­ses Teams. Der Rech­ner läuft, die mor­gend­li­chen und abend­li­chen Klicks im Zeit­er­fas­sungs­pro­gramm sind zur Rou­ti­ne gewor­den, das Dienst­han­dy funk­tio­niert. Ich bin in rele­van­ten Ver­tei­ler­lis­ten und erhal­te ver­schie­de­ne Anfra­gen, zum Bei­spiel zu eso­te­ri­schen Hei­lern, von denen ich zuvor noch nie gehört habe (und die ich dann rasch recher­chie­re, so gut es eben geht). Ich schrei­be mei­ne ers­ten Tex­te, pla­ne Ver­an­stal­tun­gen, ent­wer­fe ein Social-Media-Kon­zept und arbei­te mich in diver­se Tools für Web­site, Redak­ti­on und News­let­ter ein. Bald lei­te ich die ers­ten Sit­zun­gen. Es fühlt sich schon fast so an, als wäre ich ange­kom­men, und kein Tag ist lang­wei­lig. Das Pen­deln ist noch unge­wohnt, aber die Buchun­gen, Reser­vie­run­gen, War­te­zei­ten am Gate, Rei­se­do­ku­men­ta­tio­nen und Pack­rou­ti­nen sind schon bei­nah All­tag. Den Tür­code des Hotels und die neu­en Log­in­da­ten für ver­schie­de­ne Pro­gram­me ken­ne ich bereits aus­wen­dig – es ist erstaun­lich, wie schnell sich alles ein­ge­spielt hat.

Neustart in Berlin: Ein Blick in die Zukunft

Seit mei­ne Lehr­ver­an­stal­tung in Hal­le an der Saa­le been­det und die letz­ten Arti­kel aus mei­ner Wie­ner Zeit geschrie­ben sind, mer­ke ich, dass ich mich gera­de neu erfin­de. Und das hat einen beson­de­ren Reiz. Jeder Anfang birgt einen Zau­ber in sich – und die­sem Bon­mot kann ich nur zustim­men. Gera­de liegt ein Aus­druck mei­nes ers­ten Tex­tes für die EZW neben mir – er wid­met sich der Hil­des­hei­mer Kryon­schu­le. Noch nie gehört? Ging mir kürz­lich auch noch so. Dane­ben liegt „Nichts ist wie es scheint. Über Ver­schwö­rungs­theo­rien“ von Micha­el But­ter – ich habe gera­de erst rein­ge­le­sen. Das sind Vor­bo­ten auf das, was noch kommt. Und ich freue mich auf alles, was noch kom­men wird.


Kur­zer Hin­weis zu den Fotos, die ein wenig Ein­blick in mei­ne ers­ten Wochen am EZW geben:

Da es viel zu vie­le Ein­drü­cke gibt, die ich in den ers­ten Wochen in Ber­lin gesam­melt habe, um sie umfas­send oder sys­te­ma­tisch dar­zu­stel­len, habe ich hier nur ein paar Fotos als Schlag­lich­ter ein­ge­fügt – das reicht viel­leicht für einen Ein­druck… Wenn nicht: Bestimmt wird es nicht der letz­te Bericht zur EZW und mei­ner Arbeit im Refe­rat IV für Eso­te­rik und Ver­schwö­rungs­er­zäh­lun­gen gewe­sen sein. 🙂

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Abbil­dung 1: Schon an mei­nem ers­ten Arbeits­tag fand ich ein Namens­schild an mei­ner Tür vor: Refe­rat IV, also.

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Abbil­dung 2: Der ers­te Blick in mein Büro über­zeug­te. Ich mag das Blau. Ich mag es, dass man den Schreib­tisch in einen Steh­tisch ver­wan­deln kann.

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Abbil­dung 3: Das ers­te was ich im Büro an Detail ent­deckt habe: Ein Pen­del – wie pas­send!

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Abbil­dung 4: Meist kom­me ich spät­abends in Ber­lin an. Das Hotel schaut ver­ruch­ter aus als es ist!

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Abbil­dung 5: Die­se Tas­sen zu desi­gnen, das war fast mei­ne aller­ers­te Tat am EZW. Wir haben nun 5 davon, und Clau­dia eine ganz beson­de­re!

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Abbil­dung 6: Ein biss­chen Flug­scham hab ich schon ent­wi­ckelt durch die­se Tätig­keit. Ich gebe es zu.

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Abbil­dung 7: Das Rei­ki-Maga­zin ist zweif­fel­os eins der belieb­ten Peri­odi­ka, die wir durch den Umlauf schi­cken, um up-to-date zu blei­ben.

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