Websitedschungel – müssen wir Hannas uns da durchkämpfen?

Wissenschaftler verliert sich im weiten Netz (Midjourney-Bild)

Braucht »Hanna« eine (andere) Website?

In der Ära von #Ich­bin­Hanna und pre­kä­rer, befris­te­ter Wis­sens­ar­beit an den Uni­ver­si­tä­ten (s. Video) bekommt die eige­ne Web­site für Wissenschaftler:innen eine bis­her unge­ahn­te Bedeu­tung. Zuge­ge­ben, vie­le von uns ver­fü­gen in der Post-Doc- oder Pre-Doc-Pha­se über eine »Per­so­nal­sei­te« an ihrer jewei­li­gen Uni­ver­si­tät. Doch die­se weist gleich meh­re­re Schwä­chen auf:

  1. Man­geln­de Indi­vi­dua­li­tät: Oft­mals sind die­se Uni­ver­si­täts­sei­ten stan­dar­di­siert und spie­geln nicht die Ein­zig­ar­tig­keit unse­rer For­schungs­pro­fi­le wider. In einer Zeit, in der das Beson­de­re zählt, ist das ein erheb­li­ches Defi­zit.
  2. Kom­ple­xe Ver­wal­tung: Die­se Sei­ten sind oft nicht benut­zer­freund­lich und erfor­dern den Umweg über IT-Beauf­trag­te oder Web­site-Ver­ant­wort­li­che, um Ände­run­gen vor­zu­neh­men. Dies ent­spricht nicht dem Tem­po heu­ti­ger For­schung. In Zei­ten von „Beschleu­ni­gung“ geht das so nicht mehr.
  3. Ver­lust der Iden­ti­tät: Die Uni­ver­si­täts­sei­te ist immer direkt mit unse­rer aktu­el­len Anstel­lung ver­knüpft. Bei Job­wech­seln oder Pha­sen ohne uni­ver­si­tä­re Anstel­lung ver­lie­ren wir somit unse­re digi­ta­le Visi­ten­kar­te im Netz. Dabei brau­chen wir eine sol­che Visi­ten­kar­te beson­ders in die­sen Zei­ten!

Kurz gesagt, eine eige­ne Web­site gewähr­leis­tet eine kon­stan­te Sicht­bar­keit für Pre-Docs und Post-Docs. Genau des­halb habe ich mir nun auch eine zuge­legt. Ihr surft gera­de auf ihr!

Wissenschaftskommunikation – auf einer statischen Website?

In den letz­ten Jah­ren habe ich mich etwas mit Wis­sen­schafts­kom­mu­ni­ka­ti­on befasst und auch Kur­se belegt – ange­fan­gen von Twit­ter bis hin zum Umgang mit tra­di­tio­nel­len Print­me­di­en. Die Bedeu­tung der Wis­sen­schafts­kom­mu­ni­ka­ti­on nimmt ste­tig zu. Das fin­de ich grund­sätz­lich sehr posi­tiv und reiz­voll! Wer möch­te schon im Ver­bor­ge­nen for­schen? Wenn man über­zeugt ist, dass die eige­ne For­schung rele­vant ist, wünscht man sich doch auch Leser:innen und Rezipient:innen, oder?

Klas­si­sche Print­me­di­en spie­len bis heu­te eine wich­ti­ge Rol­le. Ins­be­son­de­re in der Theo­lo­gie sind gedruck­te Bücher ver­schie­de­ner Ver­la­ge und kirch­li­che Publi­ka­ti­ons­or­ga­ne von eini­gem Inter­es­se. Kir­chen­zei­tun­gen mögen man­chen als ver­al­tet erschei­nen, soll­ten jedoch nicht unter­schätzt wer­den. Sie errei­chen eine brei­te Leser­schaft und bie­ten gera­de wis­sen­schaft­lich arbei­ten­den Theolog:innen die Mög­lich­keit, ihre Erkennt­nis­se einem grö­ße­ren Publi­kum zugäng­lich zu machen. Doch auch die »neu­en Medi­en« sind von Bedeu­tung. Twit­ter, Face­book und ande­re Platt­for­men sind inte­gra­ler Bestand­teil der heu­ti­gen Kom­mu­ni­ka­ti­ons­land­schaft. Gera­de Twit­ter nut­ze ich ger­ne – obwohl der Vogel als Logo ver­schwun­den ist und man nicht weiß, was Elon Musk noch alles vor­hat.

Trotz mei­ner Beschäf­ti­gung mit Print- und Digi­tal­me­di­en und den ver­schie­de­nen Wiss­Komm-Kur­sen habe ich nie wirk­lich mit dem Gedan­ken gespielt, eine eige­ne Web­site zu erstel­len. Und plötz­lich kam es ganz anders – nicht zuletzt wegen des anste­hen­den Job­wech­sels (s. Blog­ein­trag vom 29.09.23)!

»Weil Pro­mo­vie­ren­de meist befris­tet beschäf­tigt sind, kön­nen sie nicht davon aus­ge­hen, dass ihre Prä­senz als Forschende:r auch nach dem Aus­schei­den aus dem For­schungs­pro­jekt, dem Insti­tut oder der Fakul­tät Bestand hat. Die Wimi-Web­sei­te wird dann abge­schal­tet oder sie fin­den sich unter der Rubrik ›ehe­ma­li­ge Mit­ar­bei­ten­de‹ wie­der. Die Sicht­bar­keit, die bis dahin auf­ge­baut wor­den ist, ist weg.«

laux​mann​.at – eine Woche Arbeit!

Ich freue mich daher, heu­te mit­tei­len zu kön­nen, dass mei­ne eige­ne Web­site laux​mann​.at nun online ist. Trotz neu­er und alter beruf­li­cher Ver­pflich­tun­gen habe ich mir die Zeit genom­men, die­se Web­site zu erstel­len. Natür­lich ist sie hand­ge­strickt – kein Geld für exter­ne Dienst­leis­ter! Wie lan­ge hat es denn gedau­ert? Etwa zwei­ein­halb Tage für Domain, Hos­ting, die Aus­wahl eines Tem­pla­tes, die Instal­la­ti­on von Word­Press und die Erstel­lung von Menüs und Inhal­ten. Zusätz­lich inves­tier­te ich etwa zwei Tage für ver­schie­de­ne Opti­mie­run­gen, ein­schließ­lich SEO-Maß­nah­men (Beschrei­bun­gen, ALT-Tex­te, …), struk­tu­rel­ler Ver­bes­se­run­gen (Kür­zen, Ver­län­gern, Ergän­zen) und umfang­rei­cher Tests. Es war also in nur einer knap­pen Nine-to-Five-Arbeits­wo­che getan. Mehr Zeit braucht es nicht!

Schritt für Schritt zur Website

Website Test ionos.at (Screenshot)
App SEO Check (Screenshot)

Ihr inter­es­siert euch sicher für die Details, sei es, weil ihr eure eige­ne Web­site erstel­len möch­tet, Fra­gen zu Word­Press-Tem­pla­tes habt oder euch für das The­ma SEO (Such­ma­schi­nen­op­ti­mie­rung) inter­es­siert. Nun, ich erklä­re im Fol­gen­den gern Schritt für Schritt, wie ich mei­ne eige­ne Web­site erstellt habe!

  1. Die Domain: Mein ers­ter Schritt war die Suche nach einer pas­sen­den Domain. Nach eini­gem Über­le­gen und zahl­rei­chen Ideen ent­schied ich mich schließ­lich für laux​mann​.at und habe die Domain über www​.hell​oly​.com gekauft. Das war natür­lich deut­lich güns­ti­ger als direkt über https://​www​.nic​.at/de. Die Wahl der rich­ti­gen Domain ist der Aus­gangs­punkt für eine erfolg­rei­che Web­site.
  2. Web­space beschaf­fen: Eine Web­site braucht Platz auf einem Ser­ver, um im Inter­net erreich­bar zu sein. Nach­dem ich eini­ge Recher­chen durch­ge­führt hat­te, ent­schied ich mich für Site­Ground (https://​de​.site​ground​.com). Die her­vor­ra­gen­den Bewer­tun­gen und die schnel­le Ser­ver­leis­tung haben mich über­zeugt. (Und nein, das ist kei­ne bezahl­te Wer­bung!)
  3. SSL-Zer­ti­fi­kat: Die Sicher­heit mei­ner Web­site war mir beson­ders wich­tig. Des­halb habe ich ein SSL-Zer­ti­fi­kat instal­liert, damit die Web­site über »https://« statt über »http://« läuft. Das ist nicht nur siche­rer, son­dern wird auch von Goog­le bevor­zugt. Den Unter­schied erkennt ihr übri­gens über das Schloss-Zei­chen in der Brow­ser-Such­zei­le. Viel­leicht habt ihr hier bei man­chen Web­sites schon ein geöff­ne­tes Schloss gese­hen oder eine Sicher­heits­mel­dung bekom­men – das liegt an SSL-Feh­lern oder man­geln­dem Web­site-Schutz. Fürs SSL habe ich die kos­ten­lo­se und benut­zer­freund­li­che Non-Pro­fit-Zer­ti­fi­zie­rungs­stel­le »Let’s Encrypt« (https://​let​sen​crypt​.org/de/) genutzt – das geht bei mei­nem Hos­ter mit einem Maus­klick und etwas Geduld. Übri­gens, »Let’s Encrypt« ist eine groß­ar­ti­ge Initia­ti­ve!
  4. Word­Press instal­lie­ren: Da ich bereits eini­ge Erfah­rung mit XAMPP (https://​www​.apa​chefri​ends​.org/​d​e​/​i​n​d​e​x​.html) hat­te, war die Instal­la­ti­on von Word­Press kein Hexen­werk. Word­Press ist eines der belieb­tes­ten Con­tent-Manage­ment-Sys­te­me und ermög­licht es, eine Web­site ohne Pro­gram­mier­kennt­nis­se zu erstel­len. Genau das Rich­ti­ge also für Lai­en wie mich! Zahl­rei­che Erklär­vi­de­os auf You­Tube haben mir bei der Ein­rich­tung gehol­fen. Wich­tig zu beach­ten ist, dass die offi­zi­el­le Web­site für den Word­Press-Down­load https://​word​press​.org/ ist – https://​word​press​.com/de/ kann getrost igno­riert wer­den.
  5. Das rich­ti­ge The­me: Um mei­ner Web­site das gewünsch­te Aus­se­hen zu ver­lei­hen, habe ich das »Leven Resu­me Word­Press The­me« von LMPi­xels aus­ge­wählt. Schon vor eini­ger Zeit hat­ten mich die ver­schie­de­nen Demo­sei­ten die­ses The­mes ange­spro­chen. Also habe ich es über https://​theme​fo​rest​.net erwor­ben – ja, ich habe dafür Geld aus­ge­ge­ben! Dann habe ich das The­me in Word­Press ent­spre­chend mei­nen Bedürf­nis­sen ange­passt. Dabei habe ich den Uny­son Page Buil­der (https://​uny​son​.io/) ver­wen­det, der direkt mit dem The­me gelie­fert wur­de. Die­ses schlich­te »Bau­kas­ten­sys­tem« hat mir die Gestal­tung mei­ner Web­site erleich­tert. Ich arbei­te gern damit.
  6. Con­tent kre­ieren: Nach­dem die Grund­struk­tur der Web­site stand, habe ich an den Sei­ten gear­bei­tet und Menüs erstellt. Word­Press bie­tet eine schlich­te Ober­flä­che, um den Inhalt zu gestal­ten. Einen Teil des Inhalts habe ich direkt von mei­ner Uni-Per­so­nal­sei­te über­nom­men, die nach wie vor aktiv ist. Eini­ge Infor­ma­tio­nen stamm­ten aus mei­nen Bewer­bungs­schrei­ben und Pro­jekt­skiz­zen. Nur weni­ge Inhal­te muss­te ich neu ver­fas­sen. Die ers­ten Blog­bei­trä­ge waren eine Über­ar­bei­tung von zwei Twit­ter-Threads, die ich vor Kur­zem ver­öf­fent­licht hat­te.
  7. Plug­ins hin­zu­fü­gen: Um die Funk­tio­na­li­tät mei­ner Web­site zu erwei­tern, habe ich eini­ge Plug­ins instal­liert. Hier sind eini­ge der wich­tigs­ten: Yoast SEO unter­stützt bei der Such­ma­schi­nen­op­ti­mie­rung und hilft dabei, mei­ne Web­site in den Such­ergeb­nis­sen bes­ser zu plat­zie­ren. wp-Typo­gra­phy sorgt dafür, dass Tex­te typo­gra­fisch sau­ber for­ma­tiert sind, auch wenn es mal schnell gehen muss. Aut­op­ti­miz opti­miert die Bild­grö­ßen und sorgt für schnel­le­re Lade­zei­ten der Web­site. Mit dem klei­nen Tool „Real­Fa­vicon­Ge­ne­ra­tor“ las­sen sich Favicons erstel­len – die klei­nen Icons, die im Brow­ser-Tab ange­zeigt wer­den. Sie mögen zwar win­zig sein, aber man ver­misst sie, wenn sie feh­len.
  8. Web­site-Tests: Zur Sicher­stel­lung, dass mei­ne Web­site rei­bungs­los funk­tio­niert, habe ich eini­ge kos­ten­lo­se Web­site-Tests online durch­ge­führt. Die­se Tests haben Ver­bes­se­rungs­po­ten­zi­al bei der Sei­ten­struk­tur auf­ge­deckt und mir eini­ge Anzei­ge­pro­ble­me vor Augen geführt. Dar­über hin­aus habe ich die Anzahl der CSS-Datei­en redu­ziert, nach­dem die Tests hier Pro­ble­me ange­zeigt haben. Mit den zuvor instal­lier­ten Tools konn­te ich die meis­ten Vor­schlä­ge der Test­sei­ten rasch umset­zen. Falls ihr Web­sites auf ihre Funk­ti­on und Such­ma­schi­nen­taug­lich­keit am Han­dy tes­ten wollt, kann ich die App SEO Check emp­feh­len. Die App stammt von Seo­bi­li­ty. Auf deren Web­site kann man auch im Brow­ser am PC Web­sites tes­ten – hier jedoch nur 3mal pro Tag (Link: https://​www​.seo​bi​li​ty​.net/​d​e​/​s​e​o​c​heck/).

Falls ihr selbst vor­habt, eine Web­site zu erstel­len, hof­fe ich, dass euch die­se Schritt-für-Schritt-Anlei­tung hilf­reich ist. Denkt dar­an, per­fekt muss eure Web­site nicht sein, aber sie soll­te euren Bedürf­nis­sen ent­spre­chen und eure Per­sön­lich­keit wider­spie­geln. Ich wün­sche euch viel Spaß beim Erkun­den mei­ner Web­site, vor allem im Blog. Prak­ti­sche Theo­lo­gie lebt von Aus­tausch und Dis­kus­si­on, und die­se Web­site soll dazu bei­tra­gen, die­sen Aus­tausch zu för­dern. Ich hof­fe, sie gefällt euch!

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